Von der Sehnsucht nach dem einfachen Leben – Warum es uns glücklicher macht etwas selbst zu machen, als es zu kaufen.

Selbermachen liegt im Trend. Das zeigt nicht nur die wachsende Zahl der „Do-it-Yourself-Anleitungen und YouTube-Tutorials. Aber was steckt hinter dieser Sehnsucht nach einem einfacheren Leben? Warum glauben immer mehr Menschen, dass sie durch die Arbeit mit den eigenen Händen glücklicher werden, als durch ihren Bürojob oder das bloße Kaufen der gleichen Produkte?

Selbstgemachte Marmelade als kleines Mitbringsel für die beste Freundin, handgefertigte gestrickte Socken, ein neuer Häkel-Schal als ganzer Stolz oder mühevolles Hacken und Gießen für ein paar eigenhändig gezogene Tomaten.

Während das Basteln und Malen noch vor ein paar Jahren den Kindern vorbehalten war und Kochen für die meisten eher einer lästigen Pflichtaufgabe glich, tummeln sich jetzt immer mehr Mit-Zwanzigerinnen in den Bastelgeschäften unserer Städte. Und die Kochbuchindustrie verzeichnet ihre höchsten Absatzzahlen vermutlich schon lange nicht mehr bei den Büchern über „Schnelle Abendessen in 15 Minuten“, sondern eher mit Anleitungen für selbstgeröstetes Müsli oder handgemachte Chutneys.

Aber woher kommt diese Sehnsucht danach, sich mehr Zeit für etwas zu nehmen und Dinge mit den eigenen Händen zu tun, statt sie vermeintlich praktisch und effizient im nächstgelegenen Supermarkt fertig zu kaufen? Die Sehnsucht danach, das Ergebnis der eigenen Arbeit sehen und „anfassen, schmecken oder riechen“ zu können?

Mit Sicherheit gibt es die unterschiedlichsten Gründe für diese Entwicklung, oder besser gesagt Rückbesinnung. Selbst wenn man in die Zeitungen und Online-Portale schaut, findet man dort fast genauso viele Erklärungsversuche für das Phänomen, wie „Do it yourself“-Anleitungen.

Doch eigentlich bin ich überzeugt, dass all diese Begründungen und Ansätze am Ende doch den gleichen Ursprung haben: Die – bewusste oder unterbewusste – Sehnsucht nach etwas mehr Einfachheit und Bodenständigkeit, nach mehr Ruhe und Fokussierung auf das Wesentliche.

Was sonst könnte erklären, warum wir alle (mich definitiv eingeschlossen) an manchen Tagen lieber allein in unserer Küche stehen und stundenlang Marmelade rühren, als uns in die immer digitaler werdende Welt zu begeben und die Zahl der Chancen und Möglichkeiten um uns zu nutzen, die von Tag zu Tag wachsen?

 

Hobby mit Sinn

Unterscheiden tut sich vielleicht nur, wo wir durch das „Selbermachen“ hin wollen. Wo unsere Ziele sind. Beim einen ist es vielleicht mehr der Spaß am Basteln und die Freude am kindlichen Ausprobieren ohne Zwänge und Vorgaben.

Sie nähen, kochen und werkeln, um ihre liebevoll erstellten Unikate später zu verschenken oder sogar für kleines Geld auf Märkten oder Online-Portalen zu verkaufen… Der Spaß am Tun selbst und der Genuss der Auszeit vom Alltag stehen im Vordergrund. Ich selbst bin da übrigens keine Ausnahme: So liebe ich es zu backen und könnte gerade in den Herbst- und Wintermonaten eigentlich jedes Wochenende Plätzchen oder Kuchen machen. Und das, obwohl wir eigentlich fast nie Kuchen essen 😉 Gut wenn man da liebe Freunde oder Kollegen hat, die man mit den „Resten“ beglücken kann.

Und deren zufriedene Gesichter einem oft mehr Wertschätzung schenken, als so manche guten Zahlen oder Ergebnisse im Job. Denn gelobt wird eben nicht irgendein Projekt, mit dem man sich kaum selbst identifiziert und an dem man nur ein kleines Puzzleteil bearbeitet hat, sondern etwas, dass man selbst mit eigenen Händen erschaffen hat.

 

Konsumverzicht als politisches Statement

Diese Wertschätzung ist schön. Doch wenn man genauer hinsieht steckt oft noch viel mehr hinter der bloßen Rückbesinnung auf einfache Dinge und selbstgefertigte Produkte.

Dann lässt sich raushören, dass das Backen, Nähen oder Gärtnern auch ein politisches oder gesellschaftskritisches Statement ist. Mal mehr, mal weniger deutlich formuliert, soll durch Selbstgemachtes der eigene Konsum reduziert und schrittweise auf industriell gefertigte Produkte verzichtet werden.

Denn erst wer selbst Hand anlegt erhält wieder ein Bewusstsein dafür, dass Schokolade eben nicht an Bäumen wächst und wie viel Arbeit es eigentlich ist, einen Pullover zu stricken oder einen Schrank zu bauen.

Oft steckt auch der Wunsch nach mehr Autonomie und Unabhängigkeit in den Hinterköpfen der Bastler und Heimwerker. Der Wunsch nach Freiheit vom System. Wobei das aus meiner Sicht definitiv nicht heißt, sich aus der Verantwortung zu stehlen, sondern eher, genau diese durch eine nachhaltigere Denkweise übernehmen zu wollen.

Aber egal ob wir das „Selbermachen“ als bloßes Hobby betrachten oder es uns vor allem auf die Aussage dahinter ankommt: In jedem Falle scheint die Rückbesinnung uns gut zu tun – uns glücklicher zu machen.

 

Was sind Eure Erfahrungen? Macht es Euch glücklich, selbst zu Kochen, zu Basteln und im Garten zu arbeiten? Und was mich natürlich noch mehr interessieren würde: Habt Ihr schon mal darüber nachgedacht, warum Euch genau das so glücklich macht?

 

Übrigens: Mit diesem Beitrag beteilige ich mich an der Blogparade zum Glück der lieben Julie. Schaut mal vorbei und lest, welche Gedanken über das Glück die anderen so umtreiben: https://julie-en-voyage.com/2017/10/13/aufruf-blogparade-zum-thema-glueck/