Freiheit als Erfolgsgeheimnis für ein glückliches Leben. – Vom Unterschied zwischen frei „sein“ und frei „handeln“.

Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein… Ein Satz, der mir eigentlich jedes Mal aufs Neue in den Kopf kommt, wenn ich (wie jetzt gerade) im Flieger sitze, und fasziniert beobachte, wie wir durch die Wolkendecke tauchen, dass graue Regenwetter hinter uns lassen und plötzlich in einen blauen Himmel und strahlenden Sonnenschein schauen.

Das ist wirklich immer wieder beeindruckend. Frei fühle ich mich im engen Flugzeug, bei dem ich die Steuerung und damit die Kontrolle an die Fachleute im Cockpit abgeben muss hingegen selten (das Gefühl, die Dinge nicht selbst in der Hand zu haben ist nicht gerade meine Stärke…).

Aber woher kommt sie eigentlich, diese Sehnsucht nach der großen Freiheit? Und warum glauben wir, dass die große Freiheit auch das große Glück bringt? Denn das ist eine der häufigsten Antworten auf die Frage, was wir uns unter einem glücklichen Leben vorstellen. Das bestätigt auch der Freiheitsindex Deutschland 2016 des John Stuart Mill Instituts in Heidelberg, laut dem der Wunsch nach Freiheit an erster Stelle und deutlich über dem Bedürfnis nach Gerechtigkeit, Gleichheit und sogar vor dem – bei den Deutschen ja eigentlich besonders beliebtem Sicherheitsgedanken steht.

 

Wo die Theorie aufhört und die Praxis beginnt.

Per Definition ist „Freiheit“ der Zustand, unabhängig, nicht unterdrückt oder gefangen zu sein und frei handeln zu können. Ein Zustand, der bei uns in Deutschland an erster Stelle steht – und das im wahrsten Sinne des Wortes – nämlich in Artikel 1 des Grundgesetztes.

Freiheit bedeutet also, dass wir keinen Zwängen unterliegen. Rein objektiv und im Hinblick auf das große Ganze eine Tatsache, die in Deutschland – und das ist ein Privileg, dass wir zu schätzen wissen sollten – durchaus gegeben ist. Wir dürfen unsere Meinung öffentlich kund tun, dürfen anziehen was uns gefällt, lieben wen wir möchten und den Beruf wählen, der uns interessiert.

So die Theorie. Denn in der Praxis – im Alltag – verstehen wir unter Freiheit noch ein ganzes Stück mehr. Nämlich den Unterschied zwischen der Abwesenheit von Zwängen (der negativen Freiheit) und dem aktiven eigenen, freien Handeln (der positiven Freiheit). Frei übersetzt also quasi, ob wir zwar wissen, dass wir frei sind, aber uns unserem Schicksal „beugen“, oder eben dieses Schicksal „selbst in die Hand nehmen“.

Und aus meiner Sicht ist genau das die Stellschraube, die zwischen einem glücklichen, wirklich freien und einem weniger glücklichen Leben mit dem latent unbefriedigten Wunsch nach Freiheit unterscheidet.

 

Wäre da nicht das liebe Geld…

Einer der häufigsten Gründe warum man seine Freiheit nicht ausleben kann, der mir in meinem Umfeld begegnet, ist immer wieder das fehlende Geld.

Doch die Annahme, dass man Geld eben braucht um frei und glücklich zu sein, ist einfach falsch! Das bestätigen auch die beiden Psychologen Ronald Fischer und Diana Boer von der Victoria University in Wellington, die in einer umfassenden Meta-Studie erstmals die beiden Variablen Reichtum und Individualismus (also Freiheit) im Hinblick auf ihre Auswirkungen auf die Zufriedenheit von Menschen untersuchten. Und zwar von über 400.000 Menschen in 63 Ländern der ganzen Welt.

Und was fanden sie raus?

Geld ist nur nötig um unsere elementaren Bedürfnisse nach Essen, einer Wohnung und Gesundheit zu sichern. Ist das erreicht, hat mehr Geld keinen positiven Effekt mehr auf das Wohlbefinden. Mehr Individualismus hingegen wurde als stärkster Indikator für Zufriedenheit und Wohlbefinden identifiziert.

Wenn das keine eindeutige Aussage ist!

Deshalb gibt uns auch weder Geld mehr Freiheit, noch wird sie uns durch die Abwesenheit genommen. Klar, eine Reise ins Luxushotel ist komfortabler, als im Camper zu übernachten. Aber die Möglichkeiten, sich selbst zu entfalten ohne Zwänge, soziale Vorgaben und gesellschaftliche Erwartungen sind im Camper ungleich größer, als im Hotel. Oder habt ihr in einer schicken Hotellobby beim Frühstück schonmal jemanden in Jogginghosen und Flipflops gesehen? Und ein Hotel bietet wohl kaum die Möglichkeit, abends bei Lagerfeuer am See zu sitzen oder morgens im Schlafshirt mit zerzausten Haaren den Sonnenaufgang in der Natur zu genießen.

Für mich persönlich ist die Frage, wie viel Geld man für die eigene Freiheit braucht, also relativ klar. Man braucht genauso viel oder wenig, wie man eh zum Leben bräuchte – egal ob man sich dafür entscheidet seine Freiheit auszuleben, oder nicht.

Die Entscheidung „Weiterleben mit dem Wissen das ich an sich frei bin“ oder „die Initiative ergreifen und frei handeln“ hängt also meiner Meinung nach definitiv nicht vom Geld ab, sondern nur vom eigenen Mut!

 

Alles hat Konsequenzen – auch die Freiheit.

Und natürlich birgt freies Handeln ein deutlich höheres Risiko, mal zu scheitern und die negativen Konsequenzen der eigenen Entscheidungen ebenso tragen zu müssen, wie die positiven.

Aber was wäre die Alternative? Sicherheit zu lasten der Freiheit und schlussendlich zu Lasten des Glücks. Doch genau das möchte ich auf keinen Fall! Auch wenn auch ich natürlich manchmal das Bedürfnis nach Sicherheit und dem vermeintlich „einfachen“ Weg habe.

 

Traut Euch!

Aber in diesen Fällen sollte man sich den berühmten Ausspruch von Benjamin Franklin vor Augen führen: „Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.“

Deshalb versuche ich, mich jeden Tag aufs Neue dazu zu ermutigen, mich zu trauen. Über meinen Schatten zu springen und wirklich das zu tun, was ich selbst möchte. Entgegen aller Erwartungen, Zwänge und Vorgaben! Egal ob von Außen vorgegeben oder durch eigene Denkmuster und Gewohnheiten entstanden.

Eine Technik, die ich von meinem Lieblingsmenschen lernen durfte und seitdem so gut es geht versuche zu beherzigen, ist folgende: Stellt Euch doch einfach mal vor, was denn im allerschlimmsten Falle passieren könnte, wenn ihr einen Eurer Träume verwirklichen und frei handeln würdet. Schreibt das Szenario genau auf und stellt Euch dann die Frage, ob Euch für diesen – ja zugegebenermaßen doch unwahrscheinlich dramatisch beschriebenen Fall – irgendwelche Lösungsmöglichkeiten einfallen würden, mit denen ihr das schlimmste wieder ins Lot bringen könntet.

Ist das der Fall? Dann: Worauf wartet Ihr noch! Irgendeine Lösung findet sich immer! Und ein bisschen Risiko kann man für ein glückliches Leben doch schonmal eingehen, oder?