Balsam für die Seele – Von Zeit zu Zeit sollten wir es uns einfach mal gut geh’n lassen!

Bei der Arbeit jagt eine Mail die andere und das Telefon steht selten mehr als ein paar Minuten still. Und wenn wir nach Hause kommen? Eine Verabredung zum Sport, später Kochen mit dem Freund, dazwischen noch fix einkaufen und der Blick aufs Handy meldet zehn unbeantwortete WhatsApp-Nachrichten. Für eine gemütliche Stunde Nichtstun auf dem Sofa bleibt da meistens keine Zeit mehr.

Kennt Ihr das? Eigentlich machen mir meine Aufgaben und „Programmpunkte“ sowohl im Job, als auch im Privatleben und der Freizeit für sich genommen fast alle Spaß. Doch in Kombination arten sie dann doch ziemlich oft in Stress aus.

Und statt am Wochenende mal komplett runterzufahren und eine Pause einzulegen, neige ich dazu, gerade diese freien Tage mit möglichst vielen schönen Aktivitäten zu verplanen. Weiter entfernte Freunde oder die Familie besuchen, ein Konzertbesuch mit dem Lieblingsmenschen, morgens joggen, Haushalt, Wäsche und gerne auch noch ein bisschen Zeit zum Schreiben…

Einfach mal Nichts tun oder mich Verwöhnen hingegen, fällt mir meist total schwer. Nicht nur, weil ich keine Zeit hätte. Die ließe sich schließlich einplanen… Aber kennt Ihr das: Sobald man mal Zeit hätte, die Füße hochzulege oder sich was Gutes zu tun, überfällt mich dieses blöde schlechte Gewissen und mir kommen plötzlich gefühlte 1.000 Sachen in den Kopf, die ich alle eigentlich doch besser noch vor der Pause erledigen sollte. Und zack ist die freie Zeit rum und die Auszeit wurde aufs nächste Wochenende verschoben.

 

Genug gewartet!

Aber warum warten? Welchen Grund gibt es, sich das Leben nicht jeden Tag aufs Neue so schön und angenehm wie möglich zu gestalten. Sich Gutes zu tun und sich auch mal zu verwöhnen?

So viele Menschen wünschen sich schon am Montag das kommende Wochenende herbei, hoffen sehnsüchtig auf den nächsten Urlaub, oder womöglich – wie man es gerade aus älteren Generationen noch kennt – sogar auf die Rente.

Stattdessen sollten wir uns ganz bewusst Auszeiten im Alltag schaffen! Wenige Minuten am Tag, die wir dann aber ganz für uns haben, intensiv und ohne Ablenkung erleben, reichen oft schon aus, um uns ausgeglichener und glücklicher zu machen.

 

Kleine Rituale geben Regelmäßigkeit.

Ein guter Plan! Doch an stressigen Tagen, wo ein Termin den anderen jagt, ist es manchmal gar nicht so leicht, bewusst einige Minuten für sich „abzuzwacken“. In guter Trick für diese Situationen ist es, sich schon im Vorfeld kleine Rituale zu schaffen, die dann ganz selbstverständlich mit in den Alltag eingeplant werden. Dabei ist es aus meiner Sicht ganz egal, ob das die halbe Stunde Yoga am morgen ist, die Eurem Körper gut tut. Oder auch ein Glas Wein und ein Stück Schokolade am Abend, was eher die Seele streichelt.

Mein persönliches Ritual ist ein entspanntes Frühstück am morgen. Frische Obst im Müsli oder leckere Tomaten und Gurken auf dem Brot dürfen dabei genauso wenig fehlen, wie ein starker Kaffee, frisch gepresster O-Saft und eine interessante Lektüre, die mir schon morgens ein bisschen Inspiration für den Tag gibt. Egal wie früh ich zur Arbeit muss: Mein Frühstück ist mir „heilig“. Dann klingelt der Wecker an diesem Tag lieber ein paar Minuten eher, als dass ich auf mein Frühstück verzichte… 😉 Für den einen oder anderen (meinen Lieblingsmenschen eingeschlossen) mag das verrückt klingen. Aber für mich sind diese paar Minuten am morgen unheimlich wichtig, um vor dem stressigen Büroalltag noch einmal Kraft zu sammeln und für einen kurzen Moment ganz bei mir zu sein.

 

Euer Arbeitgeber sollte es Euch danken.

Und diese kleinen Auszeiten und Erholungspausen sind sogar im Interesse Eures Arbeitgebers! Das bestätigt auch Professor Rainer Wieland, Arbeits- und Organisationspsychologe der Uni Wuppertal, im Gespräch mit dem österreichischen Forum Gesundheit. Er empfiehlt Arbeitgebern explizit, eine Unternehmenskultur zu schaffen, die es den Mitarbeitern erlaubt, ihre Pausen und Entspannungsphasen individuell festzulegen und an ihre Bedürfnisse anzupassen.

Klingt gut, oder? Und so seid Ihr laut Wieland nicht nur selbst zufriedener, sondern sogar leistungsfähiger im Job.

Schade nur, dass das Konzept in den allermeisten Unternehmen und Organisationen bisher noch längst nicht gelebte Praxis ist. Wirklich üblich ist eigentlich nur eine Mittagspause. Oder wie kennt Ihr das? Doch je länger man am Stück arbeitet, desto erschöpfter und ausgelaugter ist man und desto länger braucht man anschließend, um sich zu erholen.

Der Grund hierfür liegt in der menschlichen Psyche, erklärt eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung zur menschengerechten Arbeitsgestaltung. Bei Belastung wächst die menschliche Beanspruchung demnach nicht linear sondern exponentiell. Wer mit seinen Pausen lange wartet, hat also im Verhältnis deutlich mehr Anstrengung abzubauen, als wer sich häufiger kleine Auszeiten gönnt.

Nicht schlecht, wenn dieses persönliche Gefühl aus meinem Alltag doch tatsächlich noch durch Zahlen zu belegen ist. Dadurch sollte hoffentlich auch der letzte Anflug von schlechtem Gewissen endgültig verschwinden, wenn ich die dreckige Urlaubs-Wäsche gleich Wäsche sein lasse und mich stattdessen mit einem heißen Tee und nem guten Buch aufs Sofa kuschle.