Einfach mal locker lassen! – Warum vieles gerade dann am besten gelingt, wenn wir die Zügel aus der Hand geben.

Mindestens eine Stunde Frühsport vor der Arbeit, pünktlich um 18 Uhr gibt es Essen (nur Gesundes und nicht zu spät, damit es nicht ansetzt) und statt einem gemütlichen Abend auf dem Sofa wird schnell noch die Wohnung gesaugt oder die Wäsche gebügelt.

Das eigene Leben „unter Kontrolle“ zu haben, ist ein gutes Gefühl. Und gerade in stressigen Situationen, wenn bei der Arbeit ein Termin den anderen jagt und mir die Dinge zu entgleiten drohen, wächst bei mir oft der Wunsch, in meinem übrigen Alltag „alles im Griff“ zu haben.

Klar: So ist wenigstens in einem Lebensbereich alles geregelt. Aber andererseits wäre es ja gerade nach einem chaotischen Arbeitstag eigentlich gut auch mal einfach die Füße hochzulegen, zu Essen worauf man eben gerade Lust haben und den Wäscheberg sich selbst zu überlassen.

 

Gar nicht so leicht, die Kontrolle abzugeben…

Leider fällt mir genau das – dieser vermeintlich leichte Weg – so überhaupt gar nicht leicht. Ganz im Gegenteil muss ich wohl sagen: ich bin sogar richtig schlecht darin, die Kontrolle abzugeben.

Tatsächlich war das bereits früher so, fürchte ich. Schon in der Grundschule war ich – wenn man den liebevoll handschriftlich verfassten Beurteilungen meiner Lehrerin glauben darf – ein ziemlich ehrgeiziges Kind. Manche würden vielleicht sogar sagen, ein Stück weit verbissen.

Das konnte ich mit den Jahren zwar zum Glück ganz gut ablegen, aber das Thema „locker lassen und Kontrolle abgeben“ blieb trotzdem schwierig für mich.

Wenn wir mit mehreren Freunden eingeladen sind, erkläre ich mich gerne freiwillig als Fahrerin bereit. Denn dann kann ich im Notfall entscheiden, wann wir nach Hause fahren. 😉

Alkohol? Ja, einen Cocktail oder ein Glas Wein ab und zu trinke ich ganz gerne. Aber mehr? Lieber nicht. Der Kontrollverlust, Ihr wisst schon…

Ich weiß einfach gerne was ich tue. Und am besten auch noch wann, wo und auf welche Weise. Habe einen Plan gewissermaßen. Und dann wäre es eben auch schön, wenn dieser Plan in die Tat umgesetzt wird.

 

Wer locker lässt, erlebt mehr!

Dumm nur, dass das in der Umsetzung irgendwie oft nicht ganz so funktioniert, wenn Pläne und Realität aufeinander treffen…

Erst in den letzten 3 bis 4 Jahren und durch einige – mal mehr, mal weniger gute, private und berufliche Erfahrungen, lerne ich langsam, dass das Leben eben nicht immer nach den eigenen Regeln funktioniert. Und dass genau das auch gut ist!

Denn nach dem Ärger über umgeworfene Pläne und der Enttäuschung über Dinge die so ganz und gar anders liefen, als ich sie mir vorgestellt hatte, kam immer öfter die Erkenntnis: Vielleicht war es besser so. Vielleicht musste ich diesen Umweg gehn, mal auf die Nase fallen oder anecken um dahin zu kommen wo ich heut bin. Vielleicht musste ich einfach mal die Kontrolle abgeben, damit das Leben mich mit den guten Dingen überraschen konnte!

Kennt Ihr den Spruch: „Leben heißt, einige Dinge von der „To-Do-Liste“ auf die „Was-solls-Liste“ zu setzen.“?

Ich glaube, genau das ist der Trick! Solange ich nur Sachen von meiner imaginären To-Do-Liste streiche, werde ich unzufrieden. Aber wenn ich anfange, sie stattdessen auf die „Was-solls-Liste“ zu schreiben, weil ich erkenne, dass sie vielleicht gar nicht sooo wichtig waren wie gedacht, schenke ich mir selbst eine große Portion zusätzliche Lockerheit und Freiheit.