Stockholm im Winter – 3 Tage strahlender Sonnenschein, klirrende Kälte und eine ganz besondere Atmosfär (Atmosphäre)

Die skandinavische Landschaft mit ihren Seen und dem vielen Grün begeistert uns schon lange. Und nach dem ganzen Hype um Hygge und Lagom, dem auch ich mich nicht entziehen konnte, wie Ihr ja meinen Einträgen hier entnehmen könnt, übte in den letzten Monaten auch die dortige Mentalität eine immer größere Faszination auf mich aus.

Deshalb war bei der Suche nach einem Reiseziel für die Geburtstagsüberraschung des Herzmannes schnell klar, dass es in den Norden gehen sollte.

Neben Stockholm, dass ich gedanklich (ich gebe es zu) vor allem auch mit den TV-Übertragungen rund um das schwedische Königshaus verknüpfe, standen dabei auch Oslo oder Kopenhagen auf meiner Wunschliste. Dass es am Ende ein die Schweden-Hauptstadt ging war dann ehrlich gesagt vor allem eine Frage des Budgets. Für Stockholm fand ich für Ende Februar einfach das günstigste Angebot. Flüge zu perfekten Zeiten und zwei Übernachtungen mit Frühstück für 180 Euro pro Person. Da konnten die anderen Städte in dem Moment einfach nicht mithalten.

Dennoch hielt sich die Vorfreude dann doch etwas in Grenzen, als am letzten Mittwoch um 3:30 Uhr der Wecker klingelte. Wer genau dachte nochmal es wäre eine gute Idee, den Flug um 7 Uhr morgens zu nehmen, um möglichst viel Zeit vor Ort zu haben?

Auf dem Weg nach Stockholm am Flughafen Düsseldorf.

Auf dem Weg nach Stockholm am Flughafen Düsseldorf.

Einmal unterwegs und mit starkem Kaffee gestärkt, war die Müdigkeit dann aber schnell vergessen, als wir gegen 9 Uhr am Stockholmer Flughafen Arlanda ausstiegen. Der Bus in die Innenstadt war schnell gefunden. Wir fuhren mit Flygbussarna und kauften bei der Busfahrerin direkt Hin- und Rücktickets in Einem. (Tipp: Merkt Euch schon beim Aussteigen, wo genau der Bus zurück zum Flughafen geht. Wir waren bei der Ankunft nämlich so geblendet von den ganzen neuen Eindrücken, dass wir am Abreiseabend etwas rumirren mussten bis wir die Haltestelle gefunden haben.)

Vor Ort waren wir dann viel zu neugierig auf diese besondere Stadt und die Schweden, als dass wir erst ins Hotel gewollt hätten. Also ging es – mit Rucksack bepackt – direkt in die Gamla Stan und zu einem späten Frühstück.

Geheimtipps und ein bisschen Planung vorab können nicht schaden!

Wer mich kennt weiß: Wenn es bei mir – außerhalb des Jobs – um Aktenordner und Bürokratie geht, neige ich durchaus mal dazu, etwas chaotisch zu sein. Ganz anders sieht es hingegen aus, wenn Freizeitaktivitäten, Ausflüge oder Reisen bevorstehen. Dann mutiere ich zur Chef-Planerin und liebe es, vorher stundenlang durchs Internet zu stöbern, in Blogs und Reiseführern zu lesen und mir gute Tipps zu holen.

Dabei treibt mich ehrlich gesagt oft eher die Vorfreude und Sehnsucht auf die Reise, als der unbedingte Wunsch alles haarklein zu planen. Denn am Ende kommt es ja eh meistens anderes als gedacht und wenn man vor Ort ist, ergeben sich viele Dinge ganz von selbst, auf die ich vor dem Laptop-Bildschirm auf meinem gemütlichen Sofa nie gekommen wäre…

Trotzdem haben meine Reisebegleiter und ich durch meine regelmäßig wiederkehrende Planungswut in den letzten Jahren schon den einen oder anderen Geheimtipp entdeckt, der uns sonst vielleicht entgangen wäre.

Gamla Stan Stockholm Under Kastanjen

Blick von „Under Kastanjen“ aus in die Gamla Stan.

Dieses Mal war das das Café Under Kastanjen in der Gamla Stan. Liebevoll eingerichtet findet der geneigte Besucher dort für jeden Geschmack das passende Gericht. Von den obligatorischen Zimtschnecken („Kanelbullar“) über niedliche Kekse und Küchlein, stapeln sich auf der Theke unzählige kleine Leckereien für den Süßen Zahn, bei denen uns die Entscheidung wirklich schwerfiel. Wer es lieber herzhaft mag, kann stattdessen zwischen warmen Sandwiches, Suppen oder den klassischen Köttbullar (korrekt ausgesprochen aber natürlich „Sch“öttbullar) wählen.

Und das besondere Highlight neben sehr herzlichem Service und wirklich leckerem Essen: Kostenlos Wasser, Kaffee und eines der besten Brote mit Kräuter-Rosmarin-Kruste und Butter laden zum Verweilen (und Aufwärmen) ein. Under Kastanjen verfolgt übrigens ein integratives Konzept und beschäftigt behinderte junge Leute im Service und in der Küche. Das passt zur entspannten, persönlich-herzlichen Atmosphäre im Laden!

Spazierengehen, sich Treiben lassen und das skandinavische Flair genießen!

Von da an hieß es dann praktisch drei Tage lang: Dick eingepackt (zum Glück war die Skiunterwäsche noch nicht allzu tief auf dem Dachboden verstaut) stundenlange Streifzüge durch die kleinen Gassen der Gamla Stan, die belebteren Straßen im – als Hipster-Viertel – angekündigten Södermalm. oder durch die Natur (auf Skeppsholmen und Djurgården) machen. Besonders unsere abendlichen Spaziergänge, wenn sich im Dunklen all die Lichter auf dem halb zugefrorenen Wasser mit seinen kleinen Eisschollen spiegelte und die Kinder auf der beleuchteten Eisbahn im Kungstradgården ihre Runden drehten, waren dabei fast kitschig schön!

Nachts in Stockholm.

Stockholm bei Nacht.

Geshoppt haben wir hingegen ehrlich gesagt nicht ein einziges Teil. Dabei landet in meinem Koffer sonst für gewöhnlich immer das eine oder andere Erinnerungsstück in Kleidungs- oder Schmuckform. Doch hier sprach mich – auch wenn ich mich dafür jetzt vielleicht von dem einen oder anderen Style-Profi verhauen lassen muss – nichts so wirklich an. Klar, alle namenhaften Designer dieser Welt sind mit ihren Concepts-Stores vor Ort vertreten und auch H&M oder Villa präsentieren sich natürlich mit diversen Filialen. Aber während erstere ehrlich gesagt mein Budget sprengen, reizen mich letztere einfach nicht besonders… Was mir fehlte, waren die kleinen Lädchen mit Persönlichkeit und Charme, in denen ich etwas hätte kaufen können, dass es so nur hier in Stockholm gibt und mich immer an unseren Aufenthalt hier erinnern würde.

Aber was soll‘s: Geld ausgegeben haben wir auch so genug, und die Erinnerungen sind jetzt einfach in meinem Kopf und auf unzähligen Fotos. Und die eine oder andere Einrichtungsidee begleitet mich auch nach Hause. Denn Interieur-Läden gab es wirklich viele tolle. Blöd nur, dass im Koffer kein Platz für einen Sessel oder eine Stehlampe eingeplant war.

Die Museen besuchen wir beim nächsten Mal!

Im Gegensatz zu vielen anderen vor uns – und vielleicht auch eher ungewöhnlich für einen Trip nach Stockholm – haben wir außerdem auch keines der zahlreichen und mit Sicherheit auch sehr interessanten Museen besucht. Nicht, weil das eine oder andere nicht durchaus verlockend geklungen hätte, sondern einfach, weil wir jede Minute draußen in den Straßen und am Wasser einfach so sehr genossen haben und nichts Anderes wollten, als dieses Flair der Stadt so intensiv wie möglich zu genießen.

Aus diesem Grund sind wir während der gesamten drei Tage übrigens auch kein einziges Mal mit der U- oder S-Bahn gefahren, sondern haben alle Strecken zu Fuß zurückgelegt. Ob das für Euch das Richtige wäre, müsst Ihr selbst beurteilen. Auch mir – die ich ja fast täglich spazieren gehe – taten nach dem zweiten Tag schon ziemlich die Füße weh. Aber anderseits kann man eine Stadt aus meiner Sicht nie besser entdecken und „erleben“ als zu Fuß.

Schifffahren lohnt sich immer!

Fast noch besser als zu Fuß geht das Erleben in Stockholm natürlich mit dem Schiff (der „färja“). Insgesamt zweimal sind wir in den drei Tagen auf dem Wasser unterwegs gewesen. Für mich zwei absolute Highlights dieser Reise!!! Einmal ging es „nur“ von der Insel Djurgården rüber nach Slussen und einmal haben wir eine dieser typischen Sightseeing-Touren in die Schären gemacht. Wollten wir zwar eigentlich (laut meiner Planung vorab) nicht. Aber die  jahreszeitbedingt stark eingeschränkten Abfahrzeiten der Linienfähren haben uns dann doch einen Strich durch die Rechnung gemacht. Und auf diese Aussicht verzichten wollte ich dann doch nicht. Also mussten wir etwas tiefer ins Portmonee greifen und 1,5 Stunden die Gesellschaft einiger anderer Touries in Kauf nehmen. Und es hat sich definitiv gelohnt. Diese Stadt vom Wasser aus bewundern ist einfach nur traumhaft schön!

Stockholm: Unterwegs auf dem Wasser.

Stockholm: Unterwegs auf dem Wasser.

Unser Fazit:

Stockholm und Winter – das passt einfach zusammen! Die kalten Temperaturen scheinen der Schönheit der Stadt und der Gelassenheit ihrer Bewohner nicht das Geringste anzuhaben. Davon können wir uns wirklich noch das eine oder andere Abschauen!

Sicherlich kann ich mir auch wahnsinnig gut vorstellen, bei milden Temperaturen mit baumelnden Beinen am Hafen zu sitzen und aufs Wasser zu schauen. Die Frage ist nur, ob man dabei dann nicht von unzähligen anderen Touristen umgerannt würde… Dieses Problem hatten wir jetzt im Winter definitiv nicht! Im Gegenteil konnte man teilweise das Gefühl haben, die Stadt gehört uns! Und dieses Gefühl haben wir in unseren drei Tagen in vollen Zügen genossen!